Herbstgedichte
Es gibt Gedichte für alle Gelegenheite und für alle Jahreszeiten. Wunderschöne Herbstgedichte wurden von den großen Dichtern wie Storm, Rilke und Mörike verfasst, jedoch wird auch immer wieder über den Herbst in Worten, die sich nicht reimen, geschrieben. Bei den großen Dichtern mussten sich die Gedichte, also auch die Herbstgedichte, in Reime fassen lassen. Das hat sich geändert. Die neue Poesie beschreibt den Herbst wohl auch sehr stimmungsvoll, jedoch nicht in gereimter Form. Das ist für viele ältere Liebhaber von Gedichten etwas unverständlich und sie sind nicht sehr motiviert, diese zu lesen. Auch kann man Gedichte, die sich nicht reimen, schlecht lernen, um sie zu zitieren.
Ein Beispiel für gutgereimte Herbstgedichte ist das Herbstgedicht von Theodor Storm. Er schreibt:
Schon ins Land der Pyramiden flohn die Störche übers Meer;
Schwalbenflug ist längst geschieden, auch die Lerche singt nicht mehr.
Dagegen schreibt Victor Aubertin:
Im Herbst steht in den Gärten die Stille
für die wir keine Zeit haben.
Hier ist deutlich zu sehen, dass das Gedicht von Theodor Storm eingängiger ist als das ungereimte Gedicht von Aubertin. Gerade bei älteren Menschen ist zu bemerken, dass gereimte Gedichte, in der Jugend gelernt, noch immer im Gedächtnis vorhanden sind und zitiert werden können.
Verklärter Herbst
Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.
Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise
Es ist der Liebe milde Zeit
Im Kahn den blauen Fluß hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht
Das geht in Ruh und Schweigen unter.
(Georg Trakl)