Muttertagsgedichte
Muttertag ist die beste Gelegenheit, der Mutter seine Liebe, Dankbarkeit und Wertschätzung zu zeigen. Aber wie? Blumen, Pralinen oder eine Essenseinladung zeugen von wenig Phantasie. Viel schöner und persönlicher ist ein Gedicht, am besten selbst geschrieben. Seit alters her schreiben Menschen Gedichte, um ihre ganz persönlichen Gefühle zum Ausdruck zu bringen, ein Gedicht rührt das Herz, bewegt, ist ein ganz individuelles Geschenk, das dem Beschenkten zeigt, wie viel er uns bedeutet. Noch viel mehr als ein schnell gekauftes, industriell gefertigtes Präsent kommt ein Gedicht von Herzen und spricht zum Herzen.
Und wer gar kein Talent zum Dichten verspürt, kann aus einem Fundus an Lyrik berühmter oder weniger berühmter Dichter schöpfen oder sich Anregungen daraus holen.
Ein Gedicht ist ein wahrer Schatz, ein immaterieller Wert, der die Jahre überdauert, viel zu kostbar, um weggeworfen zu werden. Wer das Glück hat, ein Gedicht geschenkt zu bekommen, bewahrt es oft ein Leben lang auf und jedes Lesen und Wieder-lesen bringt die Zeit, in der es entstanden ist, zurück.
Muttertagsgedichte drücken auf die schönste Art und Weise die Achtung aus, die jede Mutter verdient hat. Je nach Stimmung können sie flapsig oder pathetisch, sentimental oder sachlich daherkommen, gemeinsam ist ihnen, dass Liebe daraus spricht.
An meine Mutter
Obgleich kein Gruß, obgleich kein Brief von mir
So lang dir kömmt, lass keinen Zweifel doch
Ins Herz, als war’ die Zärtlichkeit des Sohns,
Die ich dir schuldig bin, aus meiner Brust
Entwichen. Nein, so wenig als der Fels,
Der tief im Fluß vor ew’gein Anker liegt,
Aus seiner Stätte weicht, obgleich die Flut
Mit stürm’schen Wellen bald, mit sanften bald
Darüber fließt und ihn dem Aug’ entreißt,
So wenig weicht die Zärtlichkeit für dich
Aus meiner Brust, obgleich des Lebens Strom
Vom Schmerz gepeitscht bald stürmend drüber fließt,
Und von der Freude bald gestreichelt still
Sie deckt und sie verhindert, daß sie nicht
Ihr Haupt der Sonne zeigt und ringsumher
Zurückgeworfne Strahlen trägt und dir
Bei jedem Blicke zeigt, wie dich dein Sohn verehrt.
(Johann Wolfgang von Goethe)